OBEN

 

Von oben herab

sieht man keine Mimik.

 

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TOP DOWN

Gazing top down
you don't see
facial expression.

 

 

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die Künstlerin und ihr Werk

 

»Nani Simonis ist ein Mensch, der es ernst meint mit der Kunst. Sie meint es so ernst, dass es mir schwer fällt, diesen Ernst leicht zu nehmen; ich, der das Unernste, Zweifelhafte und Lächerliche – nicht nur in der Kunst – so ernst nimmt, dass mir darüber das Lachen vergeht …«

 

Daniel Spoerri, Ausstellung ›Bildräume‹, Aedes Gallery, Berlin 1989

 

»Manche somatische Erfahrungen sind stark genug, um die Welt der Wahrnehmung neu zu organisieren. Dazu gehören Schmerz, Angst und Verzückung, die sich alle drei im Körper im Bereich des Vorsprachlichen, vielleicht sogar des Vorbewussten manifestieren.

Jede Art von Institution, die ihr Publikum auf einer Ebene ansprechen will, die den Verstand transzendiert (oder unterläuft) – also etwa Religionen, die auf Offenbarungen und Kasteiungen beruhen, oder faschistische Regierungen – muss eine solche Art von Erfahrung herbeiführen. Die Annahme der neueren Kulturtheorie, Empfindungsvermögen, Identität und Sinneswahrnehmung seien per se veränderlich und nicht festgelegt und von daher schwierig anzupeilen, kann man als Verteidigung gegen diese Formen von Macht ansehen. Und tatsächlich wäre es auch eine mögliche Betrachtungsweise, den Fortschritt der Moderne als Geschichte des Widerstands gegen Institutionen des Glaubens und des Terrors einzustufen. Eine weitere wäre die, eine kompliziertere, zuweilen beunruhigend nahe Verwandschaft zwischen diesen drei Gefühlen zu akzeptieren.

Nani Simonis, eine deutsche Künstlerin mit Ateliers in München und New York, wurde religionsfrei, aber mit anhaltendem Interesse an den dazugehörigen Ritualen erzogen. […] Beengtheit, Angst, Schmerz, christliche Ikonologie und die visuelle Dynamik von Offenbarungen sind zentrale Elemente ihrer Arbeit.

Noch wichtiger ist aber ihre Ablehnung der damit gewöhnlich assoziierten Passivität und Schwäche. Fragilität ist für Simonis eine Gelegenheit, Stärke zu entwickeln; Angst eine Chance, mutig zu werden. […]

Wenn man in Simonis‘ Arbeiten die existentielle Angst eines Beckett spürt, dann aber auch die anarchische Energie eines Daniel Spoerri, mit dem Simonis in den frühen 80er Jahren gearbeitet hat. Mit ihm teilt sie die Lust daran, so tief in das Innenleben von Alltagsobjekten einzudringen, dass sie sich in Absurdität, Autobiographie oder beides auflösen. Aber bei all den Figuren in Bewegung und Viefältigkeit ist es Simonis‘ Ziel, den Betrachter zu berühren, statt den Zugang durch ein Konzept zu verstellen […] und sie hat ein Werk geschaffen, das direkt auf das Nervensystem einwirkt und es vergleichsweise symphonisch tönen lässt.«

 

Auszug aus dem Vorwort von Nancy Princenthal (New York) zur Ausstellung in der Grimaldis Gallery, Baltimore 1996

 

 

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the artist and her work

 

»Nani Simonis is a person who is serious about art. She is so serious about it that it is difficult for me to take this seriousness lightly; I who take everything which is not serious, which is dubious and absurd—not just in art—so seriously that it is no laughing matter…«

 

Daniel Spoerri, exhibition ›Bildräume‹, Aedes Gallery, Berlin 1989

 

»Certain somatic experiences are powerful enough to reorganize the perceptual world. Among them are pain, fear, and rapture, which can each be expressed in the body in a state anterior to words, or even conscious thought.

Any institution wishing to address its public at a level that transcends (or undermines) reason—religions based on revelation and mortification, fascist government—must invoke such experiences. Recent cultural theory’s contention that sensibility, identity, and sensation itself are mutable and contingent (hence, hard to target) can be seen as a defense against these forms of power. Indeed, one way of looking at the progress of Modernism is a history of opposition to institutions of faith and terror. Another is to accept a more complicated, sometimes disturbingly close kinship between all three.

Nani Simonis, a German artist who also maintains a studio in New York, was raised free of religion but with an abiding interest in it’s rituals. […] Confinement, fear and pain, Christian iconography and the visual dynamics of revelation, are central to her work.

Even more important is her denial of the passivity and debility with which they are commonly associated. Fragility, to Simonis, is an occasion for an expression of strength; fear, of courage. […]

If the existential anxiety of Beckett pertains to Simonis's work, so does the anarchic energy of Daniel Spoerri, with whom she worked in the early ‘80s, and with whom she shares an appetite for tunneling into everyday objects until they dissolve into absurdity, or autobiography, or both. But for all the figures in flux and multiplicity, Simonis’s aim is for the expression of irreducible experience, directed at the viewer along entryways not obstructed by theory […] she has produced a body of work that plugs right into the nervous system, jangling it in ways that are fairly symphonic.«

 

Preface by Nancy Princenthal (New York) of the exposition in Grimaldis Gallery, Baltimore 1996

 

 

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SKIZZENBÜCHER / Sketchbooks

 

 

nani simonis

Den zweitbesten Eindruck von Nanis Simonis Werken – außer bei einem Besuch in ihrem Atelier – erhalten Sie mit einem größeren Bildschirm.

The second best way to experience the variety of Nani Simonis' work—besides visiting her studio—is using a bigger screen (desktop).